Mannheimer Morgen vom 17.11.2006 zur Ausstellung „RETROSPEKTIVE"

Bericht von Peter Jaschke

Bilder sind eingängig, ohne banal zu sein

Landrat Dr. Schütz führt in Werner Menrads Kunst ein.

Zu einer „wirklich großen Ausstellung und einer Premiere" begrüßte Landrat Dr. Jürgen Schütz im Ladenburger Kreisarchiv. Erstmals präsentierte nämlich der Rhein-Neckar-Kreis als Hausherr mit der Retrospektive von Werner Menrad eine Bilder und Objektschau, die sich nicht nur über die eigenen Räume erstreckt. Nein, noch bis 17. Dezember hängt und steht auch in der Galerie und in den Werkstatträumen des vielseitigen Römerstadt-Künstlers als einem der bekanntesten Industriedesigner Deutschlands Sehenswertes.

Das Foyer mit Waldpark-Blick im Keller des früheren Landwirtschaftsamts in der Trajanstraße war proppenvoll wie selten bei der Vernissage wenige Tage nach dem 70. Geburtstag Menrads. Zur Eröffnung bewies die ausgezeichnete Mannheimer Harfenistin Alina Krüger ihr großes Können.
„Wenn man Sie so sieht, glaubt man Ihnen Ihr Alter nicht," beteuerte Schütz, der den echten Ladeberger Bu Menrad seit 1986 kennt. Er blickte bei seiner Einführung aus persönlicher Sicht auf die geschmackvollen Zeichnungen, Aquarelle, Collagen, Pastell- und Acrylkombinationen. „Bei Betrachtung der dynamischen Arbeiten" wolle man erst recht nicht mehr glauben, „dass nun der Siebener vorne dran steht", fuhr Schütz fort. Der Kunstfreund erinnerte an einen gemeinsamen Weggefährten sowie Kollegen Menrads, den verstorbenen Künstler Gerd Flösser, und begrüßte dessen Witwe, bevor er sich dem seit 1971 freien Schaffenden und gelernten Schreiners, Dekorateurs, Werbegrafikers und 1982 vom Europäischen Kulturkreis ausgezeichneten künstlerischen Autodidakten zuwandte (wir berichteten ausführlich).

Schütz vermutete dabei das Geheimnis von Menrads Erfolg darin: „Schaffe Vertrauen, entdecke das Positive, stärke es – dann kommt der Erfolg fast von allein." Menrad betrachte die Welt keineswegs mit kaltem Auge. Wenn dessen heutige Kunstwelt auch bunter sei als seine frühere, so fänden sich immer wieder gedankliche Tiefe und analytische Schärfe in seinen Werken. Das Phänomen Zeit spiele immer wieder eine Rolle. Menrads Kunst sei stets „eingängig, ohne banal zu sein".
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